Verleger kritisieren Angriffe auf die Pressefreiheit und warnen vor Machtmissbrauch von Google
Köln. Anlässlich der heutigen Jahreshauptversammlung des Zeitungsverlegerverbandes Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) in Köln stellen sich die Verleger der nordrhein-westfälischen Tageszeitungen Angriffen auf die Pressefreiheit entgegen. Der Vorsitzende des Verbandes, Christian DuMont Schütte, Aufsichtsratsvorsitzender der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg, sagte: „Wenn Pegida und ihre Ableger auf die Straße gehen und dabei auch gegen die angebliche ‚Lügenpresse‘ protestieren, dann wird klar, dass die Verteidigung der Pressefreiheit nicht mehr nur auf der Agenda der Auslandsreisen der Politik steht, sondern eine innere Angelegenheit ist. Wir Verleger treten dem Vorwurf der ‚Lügenpresse‘ entschlossen entgegen. Wer die freie Presse pauschal als Lügenpresse angreift, legt die Axt an die Pressefreiheit.“
Seine Branche ermunterte DuMont Schütte zu mehr Selbstbewusstsein.
Trotz der rasant angestiegenen Zahl der Alternativen zu den gedruckten und digitalen Angeboten der Verlage erreichen die Zeitungen über sechzig Prozent der Menschen. „Noch immer ist die Zeitung das starke Medium, in dem ganz wesentlich das Agenda-Setting unserer Gesellschaft stattfindet.“ Zudem vertrauten die Menschen keinem anderen Medium so sehr wie der Zeitung und ihren Angeboten. Eine freie, mündige Gesellschaft brauche die „Versorgung“ mit objektiv relevanten Themen, so DuMont Schütte.
Sorgen haben die Verleger wegen der ausufernden Online-Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des Machtmissbrauchs von Google. Es bestehe die Gefahr, dass die zunehmende Präsenz der Öffentlich-Rechtlichen im Internet die Vielfalt der freien Angebote dauerhaft beschädige, weil die Etablierung einer Bezahlkultur für Qualitätsinhalte fortwährend torpediert werde, so DuMont Schütte.
Google gaukele mit seiner jüngsten Digitalinitiative sowie Werbeveranstaltungen für Verlage eine Gemeinsamkeit vor, die nicht der Wirklichkeit entspreche, so der Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiter. „Der Deutsche Bundestag hat ein Leistungsschutzrecht beschlossen. Doch wer sich darauf beruft, fliegt bei Google raus. Das nennt man Missbrauch von Marktmacht. Vom Primat der Politik ist hier nicht viel zu sehen. Die Politik sollte sich von Google nicht an der Nase herumführen lassen.“
Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Helmut Heinen, mahnte für die Zeitungszustellung Erleichterungen beim Mindestlohn an: „Eine halbe Million Haushalte können schon heute nicht mehr wirtschaftlich mit Zeitungen versorgt werden. Die Politik muss den Besonderheiten der Zeitungszustellung Rechnung tragen. Es kann nicht in ihrem Interesse sein, die flächendeckende Zustellung und in der Folge ganze Lokalausgaben in Frage zu stellen.“
Köln, 4. Mai 2015
Verantwortlich:
Hendrik Wüst, Geschäftsführer Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen